Suchen Sie auch gerade händeringend nach Influencern? – eine lehrreiche Polemik

    Hallo, Sie da. Ja, genau, Sie mit dem teuren Haarschnitt und dem verzweifelten Blick.

    Sind Sie auch auf der Suche nach guten Influencern?

    Haben Sie gerade eine fünfstellige Summe aus Ihrem Media-Budget für eine Anzeige ausgegeben? Und? Schon positives Feedback bekommen? Die Verkaufszahlen in die Höhe geschossen? Komisch? Nee, ne. Aber vorhersehbar. Aufs falsche Pferd gesetzt. Mit Zitronen gehandelt.  Maß genommen, angelaufen und das Ziel verfehlt. Soll ich noch mehr Phrasen dreschen? Trösten Sie sich, ich hab auch schon oft ins Klo gegriffen. Zehn Jahre Printjournalismus – muss ich mehr sagen? Verdammtes Internet, was? Von wegen. Verdammte verkrustete Strukturen, verdammtes Ausruhen auf längst zurückliegenden Erfolgen, verdammte Mutlosigkeit.

    Alle stöhnen über die Konkurrenz aus dem Netz

    „Zeitung ist doch wie Internet, nur gedruckt“, hat eine Freundin mal philosophiert. Ich hab sehr gelacht. Das klang nach Homer Simpson: „Das Internet gibt’s den Blödsinn immer noch?“ Der Blödsinn zeigt der ganzen Welt schon seit einer Weile, wo der Frosch die Locken hat. Mit der Musikbranche ging es los. Auch die Filmschaffenden spielen das Leiden Christi nach, wenn vom Internet die Rede ist. Die Zeitungen haben noch lange keine Strategie, wie sie im 21. Jahrhundert existieren können und jetzt meckern auch die Taxifahrer, dass sich jemand erdreistet, Leute für weniger als 20 Euro vom Bahnhof in die Innenstadt zu fahren. Selbst die Sexindustrie stöhnt (haha) über die Konkurrenz aus dem Computer. Nicht schlecht, wie ein Haufen Nerds die Weltordnung durcheinanderbringt, was?

    Nerds – mag schon sein. Aber diese Nerds haben zurzeit den Bogen raus, den Hut auf und die Weisheit mit Löffeln gefressen. Vielleicht ist das in zehn Jahren wieder anders. Was weiß denn ich? Nur aktuell werden die geilen Geschichten im Internet erzählt. Und per Social Web geteilt. Dass wir uns nicht falsch verstehen: Klickstrecken zu Promi-Big-Brother oder über Bundesliga-Rekordspieler sind keine geilen Geschichten. Der gute, fesselnde, emotionale Content läuft erstmal nicht auf Seiten von E-Mail-Anbietern, sondern an anderen Stellen im Netz. Es ist doch wirklich bezeichnend, wenn ein TV-Magazin einem kurzen Internet-Video einen Zehn-Minuten-Bericht widmet. Multimedial? Nö: Trends hinterherhecheln – mit ganz schlapper Zunge.

    Reine Werbung funktioniert auch im Internet immer schlechter

    Im Internet laufen die Geschichten, die in klassischen Medien keiner mehr erzählen will oder kann – oder darf. Deshalb greift auch kaum jemand unter 30 mehr zur Fernbedienung oder zur Tageszeitung. Für Sie als Mediaplaner heißt das: umdenken. Da werde ich nicht der Erste sein, der Ihnen das erzählt. Also Anzeigen nur noch im Internet? Auch der Zug ist abgefahren. 20 Prozent der Werbung im Netz wird ohnehin per Adblocker unterdrückt. Aber wie soll ich dann die Leute drauf aufmerksam machen, dass ich den neuen heißen Scheiß im Köcher hab? Influencer Relations ist das Stichwort. Ein schlimmer Ausdruck. Agentursprech. Ich hab’s vor kurzem auch zum ersten Mal gehört und lange nicht verstanden. Aber es hat sich im Social Web tatsächlich eine Welt entwickelt, von der manche „da draußen“ nichts wissen. Diese Welt ist groß und wird immer größer.

    Wann haben Sie zum letzten Mal 20.000 Leute auf kleinstem Raum gesehen, die sich alle für ein Thema interessieren? Klar, beim Musikkonzert oder beim Fußballspiel. Alle zwei Wochen sind da homogene Gruppen versammelt. Im Forum Motor-Talk sind jeden Tag etwa 20.000 Menschen online. Alle interessieren sich für Autos oder Motorräder. Zielgerichteter kann man doch gar nicht werben, denken Sie jetzt vielleicht. Aber Wunder: Auf der Startseite von Motor-Talk ist nicht eine Anzeige zu sehen. Dennoch ist Motor-Talk für Unternehmen Gold wert – wenn sie es richtig anpacken.

    Im „seriösen“ Journalismus gerät Auto-Berichterstattung oft in den Verdacht der Schleichwerbung – vielleicht nicht ganz zu unrecht. Foren, die sich mit diesem Thema befassen, scheinen darüber erhaben. Das hat einen guten Grund: Menschen, die in Foren unterwegs sind, schreiben dort, weil ihnen das Thema wichtig ist. Sie haben ein echtes Interesse. Sie sind Enthusiasten. Bleiben wir mal bei Motor-Talk. Dort gibt es User, die zehn und mehr Beiträge pro Tag verfassen. Auf ihre Meinung und ihren Rat hören die anderen Nutzer des Forums. Das macht diese Enthusiasten zu Influencern – mit einer großen und zielgerichteten Reichweite.

    Ein Blogger als einer der einflussreichsten Menschen der Welt

    Für Influencer Relations sind andere aber noch ein bisschen interessanter. Sie haben sicher schon einmal von Mashable gehört? Wenn nicht, sollten Sie sich das Ding schnellstens ansehen. Pete Clashmore hat diese Mischung aus News-Seite und Tec-Blog 2005 im Alter von 19 Jahren gegründet. Und raten Sie mal was: Das Time Magazine hat Pete Clashmore 2012 unter die 100 einflussreichsten Menschen gewählt. Manchmal reicht eine kurze Google-Suche, um Influencer zu finden.

    Auch Mashable setzt auf den Faktor Kompetenz, Authentizität und Glaubwürdigkeit. Etwas, für das Unternehmen jahrelang kämpfen müssen. Artikel, die bei Mashable erscheinen, werden im Social Web x-fach weiterverbreitet. Sie werden bei Facebook gelikt oder geteilt, bei Twitter retweetet. Der Grund: Es ist einfach guter Content. Content, in dem auch neue Produkte vorkommen. Sie werden ehrlich besprochen.

    Mashable und Motor-Talk sind nur zwei Beispiele. Influencer gibt es auch anderswo im Netz. Jeder einfache Kunde, der auf Preissuchmaschinen nach Schnäppchen stöbert und seine Erfahrung via Social Media teilt, ist ein Influencer. Für Unternehmen gilt es in erster Linie einmal, das zu erkennen. Im zweiten Schritt müssen dann Influencer gewonnen werden. Und jetzt kommt wieder mein neues Hass-Lieblingswort Influencer Relations. Ich muss die Influencer aufspüren, mich mit Ihnen auseinandersetzen. Das ist anstrengend. Manche Influencer sind tatsächlich Nerds. Und sie sind sich ihrer Position durchaus bewusst. Die Zauberformel, mit der sich alle Influencer locken lassen, heißt guter Content. Der Influencer freut sich diebisch, wenn er der versammelten Netzgemeinde ein Video empfiehlt, das anschließend millionenfach angesehen wird. Da ist es dann auch egal, dass es eigentlich ein Werbefilm für eine neue Lkw-Lenk-Technologie oder für eine Autovermietung ist.

    Verbindung mit dem Nutzer

    Wie Influencer Relations funktionieren, zeigen zwei aktuelle Beispiele. Panasonic hat gerade einige seiner neuen HX-A500-Kameras – ein Konkurrent der GoPro – an ausgewählte Tester verteilt – allesamt Sportler. Die nehmen die Kamera jetzt auf ihre Aktivitäten mit und die Filme werden anschließend ins Netz gestellt. Die Tester geben auch einen Kommentar zur A500 ab. Samsung macht aktuell das gleiche mit seinem Galaxy Tab S. Tester bekommen das Gerät und müssen dafür zwei Bewertungen schreiben. Allerdings geraten die Koreaner jetzt in den Verdacht, Schleichwerbung zu betreiben – die Urteile auf Amazon fallen wohl etwas zu gut aus.

    So abgedroschen es auch klingen mag: Content is king. Das gilt für Influencer Relations ganz besonders. Ganz egal, ob ich den Star der Bloggerszene, eine Youtube-Persönlichkeit, einen Mega-Forum-User oder einen einfachen Facebook-Nutzer erreichen will.

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    Dieser Beitrag ist aus dem Jahre 2014 und aktueller denn ja. Hast Du Fragen zu Influencern, oder warum Native Influencer die bessere Wahl sind, als die Bibis dieser Marketingwelt? Dann maile uns doch einfach.

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