Influencer – was ist das eigentlich?

    7,5 Millionen Dollar soll Michelle Phan an das Musiklabel Ultra Records zahlen. Das berichtete Süddeutsche.de vor wenigen Tagen. Der Grund: Michelle Phan hat in ihren Youtube-Videos 50 Songs von Ultra Records ohne Genehmigung verwendet. Okay, das sind recht viele Lieder. Aber dafür 7,5 Millionen Dollar zu verlangen? Das liegt an Michelle Phans Bekanntheit und der Tatsache, dass sie mit Videos, in denen die Musikstücke zu hören waren, Geld verdient hat – sehr viel Geld. Ihr Youtube-Kanal hat 6,8 Millionen Abonnenten. Damit gehört sie zu den größten Influencern im Netz.

    40 Millionen Klicks für Schminktipps

    Michelle Phans Weg von einem Teenager mit eigenem Blog zum Mega-Influencer ist schnell erzählt. Sie hat im Internet Schminktipps für Mädchen gegeben. Damit wurde sie zu einer Youtube-Berühmtheit, steigerte die Klickzahlen ihrer Videos kontinuierlich und häufte ein Vermögen an, weil auf ihrem Kanal reichlich Werbung lief. Ihr Beitrag, in dem sie den Lady-Gaga-Stil erklärt, wurde mehr als 40 Millionen Mal angesehen. L’Oreal hat 2013 sogar eine Kosmetiklinie mit Michelle Phan herausgebracht.

    Im Social Web wimmelt es von Influencern, die von der Werbung bislang kaum wahrgenommen werden. Warum eigentlich nicht? Sie bieten ein riesiges Potenzial, wie das Beispiel von Michelle Phan zeigt.

    Was macht einen Influencer aus? Kurz und knapp: Ein Influencer ist jemand, dessen Beiträge im Internet besondere Beachtung finden. Das kann wie bei Michelle Phan mit relativ trivialem Content über eine besonders große Reichweite geschehen – 6,8 Millionen Abonnenten können noch nicht einmal Star-DJ David Guetta oder die milliardenschwere US-Basketballliga NBA vorweisen. In Michelle Phans Fall ist die Zielgruppe auch noch besonders interessant. Sie erreicht junge Menschen, die lineares Fernsehen oder Printmedien kaum noch nutzen.

    Es kommt aber nicht unbedingt darauf an, wie viele Menschen der Influencer direkt erreicht. Vielmehr ist es wichtig, dass er die richtigen Leute mit seinen Beiträgen erreicht – und beeinflusst. Diese teilen dann wiederum die Beiträge des Influencers und es kommt eine regelrechte Lawine ins rollen. Shitstorms können entstehen, weil ein Influencer es so will. Aber natürlich lassen sich auch Werbebotschaften via Influencer transportieren.

    Im besten Fall ist der Einfluss des Influencers so groß, dass beispielsweise ein von ihm besprochenes Produkt von seinen Followern gekauft wird. Dass das funktioniert, hat eine Umfrage der Social-Influence-Plattform Crowdtap gezeigt. 70 Prozent der Befragten gaben dabei an, eine Kaufentscheidung aufgrund eines Facebook-Posts einer ihnen vertrauten Person getroffen zu haben.

    Auf die Glaubwürdigkeit kommt es an

    Das größte Pfund, mit dem ein Influencer wuchern kann, ist neben der großen und meist präzisen Reichweite seine Glaubwürdigkeit. Seine Follower/Abonnenten/Leser vertrauen ihm, legen Wert auf sein Urteil. Das wird als ehrlich und nicht geschönt wahrgenommen.

    Allerdings muss der Influencer aufpassen, dass er nichts von seinem Renommee durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen einbüst. So gab es für die deutschen Youtube-Stars Y-Titty im März dieses Jahres ordentlich Kloppe, weil sie in ihren Videos zu offensichtlich für Samsung, McDonalds oder Coca Cola geworben haben sollen.

    Geschickter, weil transparenter machen es viele Blogger. Vor allem in den Bereichen Tec, Autos, Reise und Fotografie gibt es jede Menge Influencer. Einer der bekanntesten ist Robert Basic, der seine Urteile und Meinungen via Blog, Facebook oder Youtube verbreitet – Influencer sind nicht unbedingt auf einen Kanal beschränkt. Robert Basic macht in seinen Autotest-Videos keinen Hehl daraus, dass er die Fahrzeuge von den Herstellern zur Verfügung gestellt bekommt – ohne, dass dadurch seine Glaubwürdigkeit und Reputation als Influencer leiden. Allerdings hat er nicht so eine hohe Reichweite wie die Jungs von Y-Titti.

    Influencer zu erkennen, sie anzusprechen und schließlich für sein Unternehmen zu gewinnen, ist nicht leicht.

    Wie das geht, wollen wir in den kommenden Beiträgen im MAVENS-Blog erklären. Als nächstes beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Influencer Relations funktionieren.

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